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Veranstaltungsbericht: Pädagogischer Fachaustausch zu israelbezogenem Antisemitismus

05.07.2021

Pädagogischer Fachaustausch zu israelbezogenem Antisemitismus

Am Mittwoch, den 30. Juni, veranstaltete die Servicestelle für Diskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus (SABRA) einen digitalen Fachaustausch zum Thema israelbezogenen Antisemitismus im Bildungskontext. Das Angebot richtete sich an Pädagog*innen, die sich zu israelbezogenem Antisemitismus informieren und über Handlungsstrategien dagegen austauschen wollten. Erst im Mai hatten die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den palästinensischen Terrormilizen auch zahlreiche antisemitische Vorfälle in Deutschland und NRW zur Folge. Auch im Rahmen der Beratungstätigkeit wird immer wieder klar, dass antiisraelische Einstellungen in Schulen weit verbreitet sind oder Unsicherheit im Umgang mit dem Thema dazu führt, dass das Thema Israel im Unterricht ausgespart wird. Der Fachaustausch bot eine Möglichkeit zum Austausch für Pädagog*innen untereinander sowie mit Expert*innen, um sich zu vernetzen, Ressourcen zu bündeln und gemeinsam zu unterstützen. Denn, wie Moderator Dr. Norbert Reichel feststellte: „Kern des heutigen Antisemitismus ist der israelbezogene Antisemitismus.“

Zum Auftakt gab es ein Eröffnungsgespräch mit Olga Rosow (Jüdische Gemeinde Düsseldorf), Susanne Blasberg-Bense (Ministerium für Schule und Bildung) und Aslı Sevendim (Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration). Alle drei betonten hierbei wie wichtig die Berücksichtigung jüdischer Präsenz und Expertise ist, um Antisemitismus tatsächlich vorbeugen zu können. So war Frau Rosow zufolge Antisemitismus vor der Gründung SABRAs vor vier Jahren kaum auf der gesellschaftlichen wie politischen Tagesordnung. Frau Blasberg-Bense stellte fest, erst das Festjahr 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland habe auch vielen Lehrer*innen die Kontinuität jüdischer Geschichte in Deutschland vor Augen geführt. Und auch Frau Sevindim betonte, dass die Perspektiven betroffener Menschen noch immer zu häufig nicht wahrgenommen und damit auch nicht berücksichtigt werden.

Anschließend gab es ein Fachgespräch mit Prof. Dr. Julia Bernstein (Frankfurt University of Applied Sciences) und Jörg Rensmann (Mideast Freedom Forum Berlin), das durch Sophie Brüss und Florian Beer (beide SABRA) moderiert wurde. Die beiden Expert*innen beschäftigen sich schon lange mit Antisemitismus und auch der antiisraelischen Ausprägung im Schulkontext und darüber hinaus. So veröffentlichte Julia Bernstein erst in diesem Jahr ihr Buch „Israelbezogener Antisemitismus“ und Jörg Rensmann widmet sich schon lange dem Monitoring von Schulbüchern und dem in ihnen vermittelten Israelbild. In dem Gespräch ging es von konkreten ersten Schritten zur Antisemitismusintervention in Schulen über politische Forderungen wie der nach einer rechtlich verbindlichen Antisemitismusdefinition. Beide betonten außerdem die Wichtigkeit, auch außerschulische Bildungsprojekte zu fördern und zu unterstützen, eine ehrliche Auseinandersetzung mit jüdischen Perspektiven sowie Forderungen zur Prävention von Antisemitismus. Das Fachgespräch kann auch nachträglich auf der Facebookseite von SABRA angeschaut werden.

Auf das Gespräch folgten vier Workshops mit konkreten Bildungsprojekten zum Thema Israel und israelbezogener Antisemitismus. So stellte SABRA den eigens entwickelten virtuellen Methodenkoffer MALMAD vor, der auch Methoden und Materialien zu Israel und israelbezogenem Antisemitismus beinhaltet. Im zweiten Workshop stellte das Mideast Freedom Forum Berlin das Projekt „Bildungsbaustein Israel“ und sein Teilmodul zu Fluchtgeschichten rund um die Staatsgründung Israels vor. Im dritten Workshop durch ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch ging es um Erfahrungsberichte und Stimmen junger Austauschteilnehmender, die belegten, dass ein gut vorbereiteter Jugendaustausch positive und nachhaltige Wirkung gegen antisemitische und antiisraelische Ressentiments mit sich bringt. Der vierte Workshop stellte den interaktiven Online-Kurs #DigitalGegenAntisemitismus vor und erarbeitete mit den Teilnehmer*innen Prototypen für die digitale Lehre gegen Antisemitismus.

Das Interesse an dem digitalen Fachaustausch war überregional und groß: Ca. 90 Teilnehmer*innen nicht nur aus Nordrhein-Westfalen, sondern auch beispielsweise Thüringen oder Baden-Württemberg kamen online zusammen. Der Auftakt für ein neues pädagogisches Forum unter der Koordinierung von SABRA ist gelungen!